Wissen

Was wir bauen, was wir prüfen, was wir beobachten.

Eine Materialsammlung wäre eine Fleißarbeit. Interessant wird es erst, wenn dabeisteht, unter welchen Bedingungen wir die Technologie wechseln würden.

Drei Stufen statt einer Liste

Wer alle Speichertechnologien gleichrangig aufzählt — Natrium neben Thorium neben Schwerkraft —, sagt damit, dass er sich nicht entschieden hat. Wir ordnen deshalb nach Entscheidungsnähe: Was setzen wir heute ein, was prüfen wir mit konkreten Kriterien, und was beobachten wir nur.

Die Kriterien in der mittleren Stufe sind der eigentliche Inhalt dieser Seite. Sie machen aus einer Meinung eine überprüfbare Aussage.

Der Radar

Im Einsatz

Unser Standpunkt
Lithium-Eisenphosphat ist für netzgekoppelte Projekte in Deutschland heute die einzige Technologie, die Verfügbarkeit, Bankfähigkeit und Betriebserfahrung gleichzeitig mitbringt.
Zeithorizont
heute bis mindestens 2030

Lithium-Eisenphosphat (LFP)

Was wir bauen. Der Grund ist nicht technische Begeisterung, sondern Bankfähigkeit: LFP-Systeme haben dokumentierte Alterungskurven, etablierte Garantiebedingungen, verfügbare Ersatzteile und Prüfverfahren, die Gutachter und finanzierende Banken kennen.

Sicherheitstechnisch verhält sich LFP anders als Nickel-Kobalt-Chemien: höhere thermische Stabilität, langsamere Ausbreitung im Fehlerfall. Das erleichtert Brandschutzkonzepte und die Abstimmung mit Feuerwehren erheblich.

Der wirtschaftliche Hebel liegt heute weniger im Zellpreis als in der Auslegung: C-Rate, Zyklenzahl und Vermarktungsstrategie entscheiden über den Ertrag.

In Prüfung

Unser Standpunkt
Zwei Technologien, die wir für konkrete Projekttypen rechnen. Ein Wechsel setzt voraus, dass alle genannten Kriterien erfüllt sind — nicht eines davon.
Zeithorizont
Entscheidungsfähig ab 2027 bis 2030

Natrium-Ionen

Natrium ist reichlich verfügbar und geografisch breiter verteilt als Lithium; die Kälteeigenschaften sind besser. Erste kommerzielle Großsysteme sind angekündigt, und die Ankündigungen werden konkreter.

Wir prüfen die Technologie für Projekte mit hoher Zyklenzahl und geringen Anforderungen an die Energiedichte — bei stationären Speichern zählt Fläche weniger als bei Fahrzeugen.

  • Ein in Europa betriebenes Referenzsystem im Megawattstundenbereich mit mindestens zwölf Monaten dokumentiertem Betrieb
  • Herstellergarantie mit belegter Zyklenfestigkeit über die Projektlaufzeit, nicht nur als Datenblattangabe
  • Systempreis je Kilowattstunde nutzbarer Kapazität auf oder unter LFP-Niveau, gerechnet über die Laufzeit statt bei Anschaffung
  • Zertifizierbarkeit nach VDE-AR-N 4110 durch einen akkreditierten Zertifizierer
  • Ersatzteilverfügbarkeit und Servicezusage innerhalb der EU

Zink

Wasserbasierte Elektrolyte haben ein grundlegend anderes Risikoprofil als Lithium-Ionen-Systeme: keine thermische Durchgehreaktion im klassischen Sinn. Für sicherheitskritische Umgebungen und lange Entladedauern ist das ein echtes Argument.

Der Preis ist heute höher und die Energiedichte geringer. Für Freiflächenprojekte mit Platzreserve und hohen Brandschutzanforderungen kann die Rechnung trotzdem aufgehen.

  • Nachweis der Sicherheitseigenschaften durch unabhängige Prüfung, nicht durch Herstellerangabe
  • Ein europäisches Projekt in Betrieb, dessen Betriebsdaten einsehbar sind
  • Belegte Lebensdauer im Bereich von zwanzig Jahren bei projekttypischer Fahrweise
  • Gesamtkosten über die Laufzeit im Rahmen einer LFP-Alternative gleicher Aufgabe

Beobachtet

Unser Standpunkt
Langfristbeobachtung ohne Investitionsabsicht. Wir verfolgen diese Felder, weil sie das Systemumfeld verändern können — nicht, weil wir sie in einem Projekt einsetzen würden.
Zeithorizont
2035 und später

Wasserstoff und Langzeitspeicherung

Batterien lösen Stunden, nicht Wochen. Für den saisonalen Ausgleich und für Sektoren, die sich schwer elektrifizieren lassen, bleibt Wasserstoff die aussichtsreichste Option — und die vorhandene Gasinfrastruktur ein erheblicher Vorteil.

Für unsere Projekte ist er derzeit ohne Bedeutung. Die Kostenlücke zum Batteriespeicher ist im Stundenbereich zu groß, und der Hochlauf der Elektrolyse verläuft langsamer als geplant.

Mechanische und thermische Langzeitspeicher

Schwerkraft-, Druckluft- und Wärmespeicher lösen Aufgaben, für die Batterien schlecht geeignet sind: sehr lange Entladedauern, sehr viele Zyklen, sehr niedrige Kosten je Kilowattstunde bei hoher Leistungsklasse.

Sie sind stark standortgebunden — Kavernen, Bergwerke, vorhandene Kraftwerksstandorte. Wir beobachten sie als Systembausteine, nicht als Alternative auf einer Freifläche.

Thorium-Flüssigsalzreaktoren

Der Versuchsreaktor TMSR-LF1 in Wuwei (Provinz Gansu) mit 2 MW thermischer Leistung erreichte am 11. Oktober 2023 erstmals Kritikalität, wurde im Oktober 2024 als weltweit erster Flüssigsalzreaktor mit Thorium beladen und meldete am 1. November 2025 die Umwandlung von Thorium in spaltbaren Brennstoff.1

Zur Einordnung zwei Präzisierungen, weil sie oft falsch wiedergegeben werden: Das Salzstopfen-Prinzip macht den Reaktor passiv sicher gegen eine Kernschmelze — bei Überhitzung schmilzt ein Stopfen und der flüssige Brennstoff fließt in einen Auffangbehälter. Das ist etwas anderes als die Aussage, eine Kernschmelze sei unmöglich. Und die häufig genannten 300 Jahre sind keine Halbwertszeit, sondern die Zeitspanne, nach der die Radiotoxizität des Abfalls auf Umgebungsniveau abgesunken ist.

Für Batteriespeicherprojekte hat das keine Relevanz. Wir führen es hier, weil ein verfügbarer, regelbarer Grundlastblock das Preisgefüge verändern würde, an dem unsere Erlösmodelle hängen — frühestens in den 2040er Jahren.

Was hier bewusst fehlt

Einzelne Herstellermeldungen zu Rahmenverträgen, Kapazitätszusagen und Auslieferungszahlen führen wir nicht auf, solange wir sie nicht aus einer Primärquelle belegen können. Solche Zahlen sind in dieser Branche schnell und häufig falsch — und eine Website, die sie ungeprüft übernimmt, ist als Nachschlagewerk wertlos.

Sobald ein Beleg vorliegt, erscheint die Angabe hier mit Quelle und Datum.

Quellen

Quellen zuletzt abgeglichen am

  1. World Nuclear News: Chinese molten salt reactor achieves conversion of thorium-uranium fuel. Stand 2025-11-04. Zur Quelle